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”kurz nach-denken” über die Fußball-Weltmeisterschaft:


Vielen von euch wird das, was ich jetzt anmerke, wohl nicht gefallen oder ihr werdet es für übertrieben halten. Denn es berührt (exemplarisch für andere Dinge auch) ein sogenanntes Lieblingsthema (was dann meistens zugleich Schattenthema ist, denn sonst würde es die Gemüter nicht so erregen): den Fußball.

Ich habe am Dienstag am Ende einer Chorprobe mit Faszination erlebt, wie Leute, die zum Beginn regelmäßig zu spät kommen, plötzlich absolut pünktlich aufhören konnten und mit höchster Energie zum Ausgang drängten, um ja pünktlich zum nächsten, diesmal wirklich "wichtigen" Termin zu sein. Beim Heimfahren waren die Straßen leer gefegt. Um zu sehen, was so viele Menschen freiwillig so begierig aufnehmen und mit anderen auch noch teilen, ganz wie die Ameisen den vergifteten Zucker aus der Köderdose, habe ich mir seit langem mal wieder also ein Fußballspiel angeschaut und in der Pause die Nachrichten und die Werbeeinblendungen. Eines kann ich mit Sicherheit sagen: Wenn ich mir dies auch nur eine Woche in Folge wieder antun würde, ich würde aus dem geistigen Frieden herausfallen und wäre unfähig, meine geistigen Kräften schöpferisch in die Richtung zu lenken, die für mich wünschenswert ist. Ich wäre unfähig, die Strömungen des Lebens wahrzunehmen und würde mich wieder als Spielball äußerer, teils feindlicher Kräfte sehen.

Wenn man die Glaubenssätze anschaut, die man mit so einem Fußballspiel und mit den Nachrichten unbewusst aufnimmt, so heißen sie ungefähr: Es kann nur Sieger und Verlierer geben, es gibt einen Konflikt zwischen Triumph und Mitgefühl, die Welt hat viele schlechte und böse Elemente, man kann sich nie sicher sein, Glück und Unglück / Triumph und Niederlage liegen hautnah und von Zufällen bestimmt nebeneinander.

Wer glaubt, dies sei übertrieben und sein Geist könne sehr wohl zwischen einem Fußballspiel, den Nachrichten im Fernsehen und der eigenen Wirklichkeit unterscheiden, der glaubt dies nur, weil er die Wirkungsmechanismen des Geistes an sich selbst nie wirklich studiert hat. Der schaut darauf so naiv wie ein kleines Kind, das noch glaubt ein fahrendes Auto würde ihm nicht weh tun und blitzartig stoppen können, wenn es auf der Straße steht (in einem bestimmten Alter ist dies ja noch so). Der spielt wie ein Kind im Heustock mit dem Feuer, weil es ja nur eine kleine Flamme ist, oder fuchtelt mit einem scharfen Schwert bedenkenlos herum, weil er nie erlebt hat, was es anrichten kann. Das ist jemand, der hat die einzelnen Fußballspieler und die verschiedenen Mannschaften eifriger studiert als seine eigenen Glaubenssätze.

Ich kann die Faszination eines Fußballspiels verstehen, denn man ist für 2 x 45 Minuten der eigenen, teils unangenehmen Realität ent-rückt, kann ab-schalten (was wir doch so dringend zu brauchen meinen, was uns aber im Hamsterrad gefangen hält). Kein Nachdenken über Gestern oder Morgen, ganz im Hier und Jetzt, im Moment sein – ein schöner und wünschenswerter Zustand, allerdings auf der unerlösten, weil nicht mit Bewusstheit erfüllten Ebene. Wie die Ameise, die den Zucker so sehr liebt und dabei das Gift darin nicht schmeckt. Darum mein Bild mit der Köderdose. Was wäre wohl, wenn die gleichen Hunderte Millionen Menschen 2 x 45 Minuten über sich und ihr Leben zeitgleich meditieren würden? Welche schöpferische, positive, Grenzen überwindende Kraft könnte dadurch ausgelöst werden?! In Kriegen haben wir es uns bereits hundertfach auf der unerlösten Ebene bewiesen, welche Kraft im gebündelten Willen von Millionen steckt. Beim Fußball beweisen wir es wieder auf der unerlösten Ebene.

Worin steckst Du Deine ganze Energie und höchste Priorität, für was nimmst Du Dir nachts zwischen 22 und 24 Uhr Zeit, auch wenn Du am nächsten Tag früh aufstehen musst? Genau dies wirst Du in Deinem Leben verstärken und das tust Du bereits jetzt und hast es in der Vergangenheit getan und wirst es auch in Zukunft tun – ob Du bewusst wählst oder unbewusst, es wirkt. Der schöpferischen Macht unseres Geistes können wir nicht entrinnen, wir können sie höchstens nicht zu sehen wählen, uns für die Blindheit entscheiden.

Was bringt Dich Deinen Lebenszielen näher, was vergrößert Deinen inneren Frieden, was nährt Deine Seele? Gibst Du diesen Dingen mit derselben Vehemenz Raum in Deinem Leben oder tauchst Du lieber weg, um die Misere nicht zu spüren?

Ich wiederhole: Wenn ich die ganze Fußball-Weltmeisterschaft samt allen Kommentaren ("wenn / aber", "Probleme im Vorfeld", "hoffentlich keine Unruhen auf der Straße", "Schmähgesänge auf den Spieler X", "unverdient / verdient", “Gegner”, "Mit-leid") mir anschauen würde samt Nachrichten in der Spielpause, den hektischen Werbeeinblendungen und Vorschauen auf kommende Spielfilme des Schreckens, ich würde nach 10 Jahren Geistesschulung wieder aus dem inneren Frieden herausfallen und hätte einige Mühe, ihn dann wieder herzustellen. Ich würde meine Zentrierung, den wohltuenden Fokus auf das, was ich will, verlieren, ebenso meine Geführtheit, das schützende Eingebundensein in ein größeres Ganzes. Mit so viel Abstand, wie ich ihn jetzt dazu habe, das Fernsehtheater anzuschauen, ist einerseits schockierend in seiner Grellheit und andererseits langweilig. Genau die gleichen Schemata wurden schon zu Zeiten von Sepp Meier, Beckenbauer und Co. zelebriert. Das kenne ich noch aus meiner Kindheit. Wo ist da die Weiterentwicklung, was ist am Kampf so faszinierend? Warum fasziniert uns Kooperation, Frieden und Ruhe nicht gleichermaßen? Was uns fasziniert, Gefühle hervorruft und wohin wir unsere Aufmerksamkeit richten, das verstärken wir in uns und in unserem Leben (also auch im “Außen”) – das ist ganz normales geistiges Gesetz. Das funktioniert in die eine wie in die andere Richtung. Nur, wenn die Ameise nie natürlichen Fruchtzucker probiert hat, weiß sie gar nicht, wie gut das tut. In dem Fall würde sie den Unterschied zum blauen Zucker in der Köderdose schnell merken und fühlen, wie schlecht es ihr damit eigentlich geht. Ich bin fasziniert, wie man Massen von Menschen geistiges Gift verabreichen kann, das sie auch noch freiwillig und mit höchster Priorität aufnehmen. Gleichzeitig würden die gleichen Menschen das, was ihnen wirklich gut täte, mit höchster Vehemenz als Unfug ablehnen.

Das versteckte Gift ist Angst. Damit kann man die vergifteten Ameisen dann zu Arbeiten und Leistungen zwingen, die sie freiwillig nicht erbringen würden (oder hast Du jeden Tag wirklich Lust auf das, was Du im Beruf zu tun hast, und das so viele Stunden pro Tag und so viele Tage in der Woche??). Denn sie haben zum Glück beim Fernsehschauen und Zeitunglesen ganz nebenbei und unbewusst Angst vor Arbeitsplatzverlust gelernt und kein Vertrauen, dass sie einen besseren Platz finden würden aufgrund ihrer positiven Resonanz, weil sie nämlich im tiefsten Inneren aufgrund ihrer mangelnden Selbstliebe nicht überzeugt sind, etwas Besseres zu verdienen. Und sie glauben nicht mehr daran, dass man in dieser Welt seine Beruf-ung finden könnte statt nur einen Job zum Geldverdienen. Denn sie haben z.B. durch den Fußball gelernt, dass Glück und Unglück auf Messers Schneide beisammen liegen und man sich nie sicher sein kann, was davon als nächstes kommt. Und sie haben es so gut gelernt durch häufige Wiederholung, dass sie inzwischen glauben, dass dies unverrückbare Realität sei. Und sie glauben es so fest, dass sie gar nicht mehr versuchen und sich gar nicht mehr trauen, das Gegenteil auszuprobieren, um diesen Glaubenssatz aus den Fugen zu heben und als das zu entlarven, was er ist: nämlich nur ein Glaube, der beliebig ausgetauscht werden kann, wenn man will und sich darum bemüht mit höchster Priorität. Stattdessen fügen sie sich einer scheinbar harten, aber nicht zu ändernden Realität. Und dann kann man sie gut lenken, ausnützen und zu Dingen motivieren, die ihnen selbst nicht gut tun. Zum Beispiel Alkohol oder zu viel Essen oder Facebook statt echter Glückshormone. Sehr praktisch und nebenbei ein gutes Geschäft...

Ich habe inzwischen anderes gelernt und erfahren. Wir haben alle die freie Wahl, solange der Geist nicht benebelt ist durch blauen Zucker aus der Köderdose. Nüchtern werden, sich geistig entgiften und still werden, nach innen schauen und das Grau-en erst mal aushalten, das wäre der Weg aus dem endlosen Rad der Wiederholungen. Willst Du aufstehen und den ersten Schritt machen? Für Dich selbst und niemand sonst...?!


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