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”kurz nach-denken” über die eigene Offenheit Neuem gegenüber:


Heute eine Betrachtung über ein zentrales Problem und Hindernis für Weiterentwicklung, nämlich "offen sein für Neues jenseits der eigenen Glaubenssätze". Meistens erkennen wir unsere eigene Eingeschränktheit in diesem Bereich nicht und überschätzen unsere "Offenheit" bei weitem.

Zunächst einmal unsere übliche, gelernte und in den Medien praktizierte Verhaltensweise, das kritische Herangehen:

Eine zweifelnde Grundhaltung ist allgemein als "erwachsenes, reifes Denken" positiv besetzt und wird gelehrt, die dagegen sprechenden Argumente / Risiken (aus Sicht der bisherigen Grundhaltung / Erfahrungen) werden als erstes erwogen ("Ich glaube nicht, dass das funktioniert!"), keine wirklichen Fragen werden gestellt sondern ablehnende Erwägungen in Fragenform ("Und Du glaubst wirklich, dass das gut sein soll?!" statt "Und wie machst Du das genau? / Zeige es mir mal! / Wäre das auch was für mich?").

Beurteilen vor(!) dem Ausprobieren (also meistens anstelle des Ausprobierens, was besonders tragisch ist, weil somit neue Erfahrungen außerhalb des alten Rahmens nicht zugelassen werden, was die kritische und eingeengte Grundhaltung verfestigt und die Wiederholung der bisherigen Erfahrungen zwangsläufig nach sich zieht, was wiederum die Überzeugung der Richtigkeit dieser Glaubenssätze verstärkt und so geht es im Kreis weiter); somit wird unbewusst die Entscheidung, was man ausprobiert, vorab getroffen und dies anhand der vorhandenen, alten Glaubenssätze, daher wird etwas wirklich grenzerweiternd Neues nicht erfahren, was wiederum den Glauben an die Möglichkeit des scheinbar Unmöglichen verringert, was wiederum den Mut, mal etwas ganz Anderes zu wagen, reduziert und so geht es im Kreis weiter... (anders herum - in der positiven, erweiternden Drehrichtung – funktioniert dieser selbstverstärkende Mechanismus übrigens auch!).

Dem Verstand folgen statt dem Gefühl, der neuen Sache gegenüber kritisch sein und sie genau untersuchen statt die eigenen Denkmuster in ihrer Einseitigkeit zu erkennen und folglich zu hinterfragen (der Verstand ist nicht objektiv, er entscheidet vorab welche Haltung er einnehmen will und entsprechend wird dann auf Neues reagiert; Zustimmung erfolgt nur, wenn das "Neue" in Linie mit den vorhandenen Glaubenssätzen steht, das ist aber dann nichts grundsätzlich Neues, das bereichern und erweitern würde, sondern nur etwas "ein wenig Anderes", das höchstens kurzfristigen Unterhaltungseffekt hat, aber jede Provokation des Gewohnten vermeidet); angeeignetes Wissen ersetzt Glauben und Eigenerfahrung.

Beispiel für tendenziöses, unlogisches Denken: Viele tragen einen Fahrradhelm, obwohl laut Unfallstatistik nur 9% Kopfverletzungen beim Radfahren, aber 40% Hüfte. Und kaum einer trägt Handschuhe, obwohl schon die Erfahrung aus Kindertagen sagt, dass es da schon bei einem leichten Sturz richtig weh tut (und blutet). Sicher keiner wird dazu zu bewegen sein, ein Hüftpolster zum Schutz beim Radfahren zu tragen. Aber der Kopf ist in unserer Gesellschaft die "Haupt"sache, die wir besonders wertschätzen (und überbetonen), darum auch die (Über-)Betonung auf den Verstand (statt des Gefühls) und die höhere Bezahlung / Reputation des Kopfarbeiters gegenüber dem Handarbeiter, darum überfüllte Gymnasien und Universitäten. Leider taugt der Verstand nicht für die Liebe, die Hand dagegen schon deutlich eher.

So beschneiden wir uns 90% der Zeit von Glücksmomenten (der Wind im Haar fühlt sich besser an als der Schutzhelm), nur um scheinbar die 10% schmerzhafte Erfahrungen / Risiko vermeiden zu können (letztendlich funktioniert es nicht, da der (innere) Schmerz dann auf einer anderen Ebene zum Tragen kommt wo er lediglich nicht so offensichtlich ist; er will bearbeitet werden, egal auf welcher Ebene und in welcher Form). Die überbordende Flut an Gesetzesregelungen, Mahnungen und Vorsichtsmaßnahmen (z.B. Lebensmittelbereich, Straßenverkehr) ist ein Spiegel genau dieser inneren Einstellung.

Ich rede hier nicht von einem entweder/oder, sondern von einem Verschieben des Balancepunktes. Wir sind nicht in der Mitte sondern weit auf eine Seite abgedriftet, wo wir den natürlichen Lauf des Lebens als gefährlich und das Künstliche / Menschengemachte als sicher einstufen. Wir sind im "Vermeidungs-Modus" - so kann sich das Leben nicht entfalten! Die meisten leben zwar funktionierend im System, aber reell als Halbtote (schaut den Leuten in der S-Bahn und im Büro vor dem PC ins Gesicht für eine Minute, dann wisst ihr was ich meine). Bei mir war es auch so, aber ich habe den Absprung gewagt.

Es gibt ganz andere Möglichkeiten, wie ein Wagnis ausgehen kann als negativ. Die Welt jenseits des gesellschaftlichen Konsens ist so ganz anders als es uns unsere Mitmenschen ausgemalt haben. Es gibt keine absolute Wirklichkeit innerhalb der Welt der Dinge, daher kann die "Welt" für mich gut oder böse werden, abhängig von meinen(!) inneren Glaubenssätzen. Auch solche 180°-Wendungen habe ich erlebt, das scheint fast wie Zauberei. Alles, was wir auf der Formebene für "Realität" halten, sind letztendlich nur Glaubenssätze, die verändert werden können – nicht durch verstandesmäßiges Wollen ("positives Denken") sondern durch Erlösung und Heilung der dahinter stehenden inneren Schmerzen. Sobald wir etwas als unumstößliche Tatsache im Leben hinnehmen, erklären wir uns als machtlos, etwas zu verändern. Das ist aber eine eigene Entscheidung! Dies zu erkennen und sich anders zu entscheiden, bringt die Schöpferkraft zurück.


Nun die hilfreiche Alternative, das offene Herangehen:

"Das wäre ja toll, wenn es tatsächlich so funktionieren würde!": Chancen als erstes erwägen, sich erwärmen für etwas Neues, Begeisterung für die eventuellen Möglichkeiten. Diese Grundhaltung ist allgemein als "kindlich-naives Denken" negativ besetzt und wird möglichst abtrainiert; Beurteilen erst nach(!) dem Ausprobieren, einer Eingebung / einem Impuls folgen statt dem in seiner Rationalität und Objektivität weit überschätzten (siehe oben) Verstand; erkennen, dass kritisches Denken in der Art, wie es uns gelehrt wurde, nichts mit gesundem Menschenverstand zu tun hat (der würde nicht vorab werten, da es zu einer Einengung der in Erwägung gezogenen Möglichkeiten führt und bahnbrechend Neues von vornherein ausschließt, siehe z.B. die technischen revolutionären Erfindungen der Menschheit und die Reaktion der Zeitgenossen auf Glühbirne, Eisenbahn, Auto, Flugzeug etc. – der Erfinder hatte jeweils ein ganz anderes Denkmuster als seine Mitmenschen und konnte sich Unmögliches als möglich vorstellen).

Denkverhalten / Denkgewohnheiten / Denkstrukturen bei sich selbst beobachten und die sich wiederholenden Muster erkennen, um sie beiseitelegen zu können (Bewusstheit für die Denkvorgänge reduziert die Gefahr der Eigenhypnose durch stets in Gedanken wiederholte Glaubenssätze, die uns als natürliche "Realität" erscheinen, den Mitmenschen aber keineswegs!); wirklich Neues hat stets auch etwas von Risiko und Unwägbarkeit an sich (weil uns Referenzpunkte / Erfahrungswissen dafür fehlen), Glauben und Hoffen trägt durch die ersten unsicheren Schritte ins Neuland, Bewusstheit und Eigenerfahrung ersetzt angeeignetes Wissen.


Wie kommt man von der scheinbaren Offenheit für Neues zu einer wirklichen Offenheit?

  • Das kritische (negativ gepolte) Hinschauen / Nörgeln / Besser-Wissen statt Besser-Tun (siehe Zeitung) ummünzen in gesunden Menschenverstand (im Sinne von glasklarer Logik jenseits aller Wunschvorstellungen, also auch für mich selbst Unangenehmes als Denkmodell zulassen), diesen einschalten und statt auf "das Neue" anwenden auf die eigenen Denkmuster. Diese kritisch betrachten und dabei feststellen, dass die eigenen Ansichten und Entscheidungen einer Tendenz folgen, also an einer "geistigen Weggabelung" nicht zu 50% links und zu 50% rechts laufen (bei anderen Menschen kann man das natürlich viel eher und leichter feststellen, sich selbst hält man ja meist für die Ausnahmeerscheinung!).
     
  • Glaubenssätze, die dem eigenen Weltbild / Erfahrungs"schatz" widersprechen, für längere Zeit als zumindest hypothetisch möglich erachten und dementsprechend ausprobieren, auch wenn einem die Argumentation zwar theoretisch logisch, aber doch zu weit hergeholt erscheint. Daran denken, dass es Menschen gibt, die genau entgegengesetzt leben wie man selbst und doch nicht unter die Räder kommen. Also kann die eigene "Wirklichkeit" nicht das einzig Mögliche sein. Wichtig: Das Ausprobieren muss geschehen mit der Einstellung "Ich glaube zwar nicht dran, aber es wäre toll, wenn es wahr wäre!". Die Einstellung "Ich glaube nicht dran und bin mir sicher, dass es nicht funktioniert!" ist ein starker Wunsch ans Universum und wird in Erfüllung gehen – den Versuch kann man sich sparen, denn er wird die vorhandenen Glaubenssätze noch mehr verstärken als wenn man es nicht ausprobiert hätte.
     
  • Innerhalb des eigenen, bestehenden Denkrahmens sind Antworten auf Grenzen sprengende Fragen nicht zu bekommen bzw. werden gegebene Antworten als nicht relevant oder skurril beurteilt, daher ist es notwendig, die Reaktion auf ungewohnte Neuigkeiten zu verändern (Verzicht auf Beurteilung, einfach hinschauen und zulassen, die Auswirkungen abwarten auch wenn sie Bedenken / Angst verursachen mögen, aufkommende Bedenken nicht zur Basis von Entscheidungen machen, "Angst ist nie ein guter Berater", Entscheidungen nur dann treffen wenn man innerlich ruhig und gelassen ist).
     
  • Die Möglichkeit in Betracht ziehen, dass die als "Schatz" gehütete Sammlung von Erfahrungen eine Menge an Fehlwahrnehmungen, Subjektivität und durch seelischen Schmerz verzerrte Filter enthalten könnte. Solange man diesen "Schatz" hütet und verteidigt ("ja, aber..."), kann nur die Wiederholung alter Erfahrungen dabei herauskommen. Sobald man ihn (ggf. auch nur Test halber) für längere Zeit hintan stellt und wieder "wird wie die Kinder" (nicht hinterfragen, einfach mal ausprobieren), kann Neues ins Leben kommen, das durchaus dem bisherigen Leben diametral entgegengesetzt sein kann (Fülle statt Mangel, Glück statt Leid und das in vergleichbaren Situationen!). Es kann auch das Fehlende oder der Schatten im Leben, der vorher übertüncht wurde und nur im Verborgenen wirkte, deutlicher werden und dadurch der Bewusstheit und folglich Heilung zugänglich werden.
     
  • Merken, dass die Mechanismen des Denkens (samt der Wege in die Subjektivität und damit in die verzerrte Wahrnehmung) überpersönlich und universell sind, lediglich die Gedanken selbst sind individuell verschieden. Sich nicht mehr mit der schillernden Vielfalt der Oberfläche beschäftigen (den Gedanken selbst, die vergänglich sind wie Seifenblasen und damit nur situationsbezogen gültig sind) sondern sich auf die dahinterliegenden Mechanismen konzentrieren, da sie universelle Gültigkeit und Anwendbarkeit besitzen (universell bezüglich Zeit und Situation, also auf alles immer anwendbar). Damit verstehe ich mich, aber auch meine Mitmenschen besser – im Irrtum wie in der Einsicht, im Schmerz wie in der Inspiriertheit.
     
  • Sich klarmachen, dass zwischen den Risiken von Grenzerfahrungen in der körperlichen Welt und den "Risiken" des Überschreiten der eigenen Grenzen in der geistigen Welt (im Inneren) ein Unterschied besteht. Bloß weil wir körperlich Fußgänger sind, heißt das noch lange nicht, dass wir nicht geistig fliegen und uns weit emporschwingen können. So es ist einengend und hemmend, das vorsichtige Verhalten, das uns in der körperlichen Welt beigebracht wurde ("pass auf, da kommt ein Auto / die Herdplatte ist heiß" etc.), ungeprüft auf die innere Welt zu übertragen und uns von der Angst oder unangenehmen Gefühlen stärker handlungsmäßig leiten zu lassen als von Begeisterung, Freude und Enthusiasmus, auch wenn sie in unbekannte Gefilde führen ("ach, das probiere ich jetzt einfach mal, ich will sehen was dabei herauskommt!"). Also "mal lieber nicht" zum Familienstellen gehen, denn da könnten ja Probleme hochgekocht werden, die mich jetzt gar nicht stören (so war damals zum Beispiel meine Einstellung und dennoch bin ich auf Empfehlung hingegangen und die Erlebnisse und inneren Bewegungen dabei waren unglaublich erweiternd und hilfreich, das hätte ich – mangels vorheriger Erfahrung – nie gedacht, dass es einen so weit bringen kann).

    Überhaupt schätzt man mangels Erfahrung das hilfreiche Potential unbekannter Dinge stets falsch ein, da man nur innerhalb der eigenen Grenzen der bekannten Welt denken kann. Dass es etwas gibt, das viel wirksamer ist, dass es reelle Erlebniswelten und ganz andere Erfahrungen jenseits des einem selbst Bekannten gibt, davon sind wir umso weniger überzeugt, umso seltener wir eigene Grenzen bisher überschritten haben. Je öfter wir die positive Erfahrung von Grenzüberwindungen gemacht haben, umso schneller werden wir für einen weiteren Schritt bereit sein. Auch hier ein Regelkreis, der in die Enge oder in die Weite führen kann, je nach Drehrichtung. Und die Drehrichtung bestimmen wir selbst!


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