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”kurz nach-denken” über unsere Liebe zu Problemen:


Auf dem aufgemotztem Auto eines Jugendlichen las ich letzthin: "Es ist sooo schön, verrückt zu sein!"  Das deutet unsere unterschätzte Liebe zu unseren Problemen an. Sonst würden wir uns mehr auf Lösungen und weniger auf Probleme konzentrieren. Besonders fällt mir das in den Gesprächen bei Einladungen auf. Kaum hat der Abend begonnen, erzählt jeder von den Dramen, die er erlebt hat, insbesondere den ungelösten Problemen und davon, wie verfahren die Situation doch ist – insbesondere bei anderen Menschen bzw. in der Politik / Wirtschaft / Umwelt /…  Wenn man dann versucht, das Gespräch auf Lösungen auf geistiger Ebene zu lenken, wird argumentiert, warum dies oder jenes nicht funktionieren kann oder gar keine Lösungen darstellt oder warum positive Beispiele nur als Einzelfall gelten können.

Dabei wären die Lösungen stets sehr einfach und alle schon vielfach in Büchern etc. niedergelegt. Warum wollen oder können wir sie nicht sehen, geschweige denn umsetzen? Dazu ist mir zwischen Schlafen und Wachen eingefallen, dass wir Lösungshinweise immer dann nicht als Möglichkeit akzeptieren können, wenn sie außerhalb unseres derzeitigen Glaubenssystems liegen – und damit außerhalb unseres aktuellen Erfahrungshorizonts. Nachdem wir Realität nach unseren unbewussten(!) Glaubenssätzen erschaffen, bestätigt unsere persönliche Erfahrung zwangsläufig das, was wir schon immer angenommen haben, lesen wir das als Bestätigung unserer Thesen, von dem wir bereits überzeugt sind und lehnen jene Nachrichten ab, die ihnen widersprechen.

Das heißt: Wenn ich mich weiterentwickeln will, über das Karussell des Egos hinauskommen will, wäre die Lösung, selbst in Bewegung zu kommen und einen Standpunkt außerhalb meines derzeitigen Glaubenssystems zu suchen, der mir durch Schmerz- und Konfliktfreiheit anzeigt, dass er wahr ist. So ein Punkt muss dann nicht mehr geglaubt, verteidigt oder mit faulen Kompromissen erkauft werden; er bringt Ruhe dadurch, dass er einfach ist und wirkt. Es bringt nichts, andere oder gar die Welt verändern zu wollen, damit es mir gut geht. Das funktioniert nicht, das wäre Heilung zu meinen Bedingungen. Die Lösung ist, mich solange zu verändern, bis ich einen friedlichen Standpunkt gefunden habe, wo alles gleich gültig ist (das ist ganz was anderes als scheißegal und auch etwas ganz anderes wie gleichgültig!). Gleich gültig heißt, meine Mitmenschen / die Umstände dürfen so unerlöst sein wie sie (scheinbar) sind und dennoch bin ich in innerem Frieden. Diesen Punkt gilt es zu finden – durch Übung und sich lehren lassen, durch geduldige Beharrlichkeit und Aufgeben aller Überzeugungen. Es ist machbar. Das ist der Hintergrund der Frage: "Willst Du recht haben oder lieb haben?"

Mit anderen Worten, ich muss still werden und darauf verzichten andere zu suchen, die meiner Sichtweise zustimmen. Ich muss auf das (scheinbar) schöne Gefühl verzichten, im Recht zu sein. Ich muss auf die Anklage verzichten gegen Gott und die Welt, gegen meinen Partner und Chef, gegen die Politiker und Banker, gegen das Wetter und die Zeit. Ein (scheinbar) hoher Preis und der Abschied von lieb gewordenen Gewohnheiten, jahrzehntelang eingeübten Glaubenssätzen und einem gemütlichen Ruhekissen für Bequemlichkeit. Denn Projektion bedeutet: Nicht ich muss mich bewegen sondern die anderen. Klingt doch besser als anders herum, oder? Ich darf mich für diesen Weg weiterhin entscheiden, kein Problem. Nur nicht wundern, dass darin nicht die Lösung liegt. Das wäre blauäugig. Einfach mal in Ruhe überlegen, wie hoch der Preis für Rechthaben ist und neu entscheiden, ob man ihn noch zahlen will. Das ist alles.

Wie wäre es denn, als Übung zur Flexibilität zum Beispiel spaßeshalber mal Messer und Gabel am Tisch in die jeweils andere Hand zu nehmen, das Touchpad am Notebook eine Zeitlang mit der anderen Hand zu bedienen. Einfach mal mehr Dinge "mit links" machen und dabei achtsam sein, was es in einem bewirkt. Nicht gleich wieder aufgeben mit der Feststellung, dass es anders herum sowieso nicht klappt, sondern dranbleiben und öfter probieren - so lange bis sich was verändert. Dass es beim ersten Mal noch nicht gleich funktioniert, ist doch klar wie Kloßbrühe und keine wirklich tiefschürfende Erkenntnis. Lesen ist Silber, eigene Erfahrungen machen ist Gold!

 

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