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Gleichnis 3:

Was soll dann der Sinn des Lebens hier sein? Welchen Stellenwert hat unser Körper und diese Welt? Für was soll denn bitte Leiden und schmerzhafte Erfahrungen gut sein?

Wir nehmen automatisch an, das Leben hier auf der Welt, in einem Körper, sei das einzige bisschen Leben, das wir haben. Begrenzt in Zeit und Möglichkeiten, behaftet mit Leiden, Krankheit, Schicksal und Tod. Unser wahres Leben findet aber auf anderen Ebenen statt, die gleichzeitig ebenso präsent und real sind, für die wir uns aber blind gemacht haben. Wir verkennen, dass wir auf der Körperebene nur in der Schule sind (in einer sehr guten und individuellen Schule sogar mit einem tollen Lehrer, der uns in- und auswendig kennt), um das zu lernen, was uns zum wahren Leben noch fehlt. Und wie in der Schule ginge es darum, aufzupassen was der Lehrer sagt (das “Schick-sal”, salus = Heil, also das geschickte Heil) und die Hausaufgaben möglichst umgehend zu erledigen. Das wäre ja auch unser Rat an ein Kind, um die Schule möglichst schnell und ohne Schwierigkeiten zu bestehen. Wir verhalten uns als körperlich Erwachsene aber genau so wie Kinder halt sind, nämlich ziemlich ungeschickt und planlos. Wir gehen davon aus, dass uns der Lehrer nur ärgern will (das ungerechte Schick-sal), sind der Meinung, dass der Lernstoff sinnlos ist und lehnen uns gegen die Erledigung der Hausaufgaben auf (der falsche Lebenspartner, der böse Chef, das knappe Geld) und ratschen viel lieber mit dem Banknachbarn als den Unterricht aufmerksam zu verfolgen (wir orientieren uns am Nächsten, der mindestens genauso viele Probleme hat wie man selbst, statt am Lehrer, der diese Phase schon überwunden hat und daher weiß, was den Schülern noch an Wissen fehlt).

Und hier kommen wir zum Sinn von Leiden: Wenn ich in der Schule bin, bei welcher Aufgabe lerne ich mehr? Bei der, die ich mit links erledige weil ich sie schon kann oder bei der, die mich herausfordert, bei der ich mich anstrengen muss und ich als Schulkind jammere, weil ich keine Lust auf so eine anstrengende Aufgabe habe? Die ich nicht gleich kapiere und die ich sowieso für sinnlos halte, weil mir der Überblick für das not-wendige Wissen eben noch fehlt? Was sage ich als Erwachsener zu so einem jammernden Kind? “Jammern macht es nur schlimmer, gehe die Aufgabe an, schiebe sie nicht vor Dir her, versuche sie in Teilschritte zu zerlegen und zu verstehen. Je schneller Du sie angehst, um so eher ist sie erledigt!” Und falls das Kind sich wiederholt weigert, am Unterricht aktiv teilzunehmen und die Hausaufgaben nicht macht, was passiert? Der Lehrer erhöht den Druck, die Aufgaben stapeln sich und die Schule macht überhaupt keinen Spaß mehr, verliert vollständig das Spielerische und Freudige, das man bei den willig mitarbeitenden und interessierten Schülern manchmal beobachten kann. Was macht dieses Kind? Schimpft auf den “blöden Lehrer”, weil es seine eigene Verantwortung für das selbst gemachte Leiden nicht annehmen will. Diese Selbstverantwortung wäre aber das, was Sie dem Kind als Mutter oder Vater bewusst machen würden, wenn es sein Verhalten ändern und wieder mit Freude und Erfolg in die Schule gehen soll. Jetzt ist es bei einem Kind schon schwer genug, ihm das klar zu machen, aber es ist sich wenigstens bewusst, dass es in die  Schule geht und noch etwas zu lernen hat. Beim Erwachsenen, der sich innerlich ausgereift dünkt und meint, aufgrund eigener Erfahrungen sein eigener Lehrer sein zu können, wird es da schon schwieriger. Das sind die Widerstände, auf die ich dann in mir stoße, wenn ich meine Denkmuster verändern will. Gar nicht leicht, aber auch nicht unüberwindlich!

In diesem Bild entspricht dann unsere Welt der Schule, also einer speziell dafür optimierten Lernumgebung (zur Zeit mit ziemlich viel unwillig Lernenden bevölkert, daher auch eine eher miese Stimmung unter den Schülern und ziemlicher Druck in der Schule) und der Körper ist ein Lehrmittel wie ein Buch. Nach jeder Klasse gebe ich die Lehrmittel wieder zurück, da sie ihren Zweck erfüllt haben. Sie sind nicht das Ziel meines Lernens, auch nicht mein Ein und Alles, an dem ich hänge und das ich nicht mehr hergeben will. Ein Schüler, der so an seinem Lehrbuch hinge, würde in der Tat sehr leiden, wenn er es am Schuljahresende abgeben muss. Das Leiden, das geliehene Buch herzugeben, entsteht aber durch die unrealistische Einstellung des Schülers, nicht durch den Lehrer, der das Buch zurückfordert! Sobald der Schüler erkennt, dass er die Inhalte des Buches ja bereits gelernt hat und es daher keinen weiteren Nutzen mehr für ihn hat (außer negativ als Ballast in seinem Schulranzen), wird er es auch wieder hergeben können. Womit das Thema Loslassen und “die Hülle verlassen können” angedeutet wäre. Natürlich wird man das Lehrmittel während der Benutzung nicht vernachlässigen, nur weil man es nach einiger Zeit sowieso wieder abgibt, sondern pfleglich behandeln, um es in gutem Zustand zu erhalten, damit es seinen Lehrzweck möglichst gut erfüllen kann.

Unser Sprachgebrauch zeigt uns, wie sehr wir uns für unseren Körper halten. Wir fragen “Wie alt bist Du?” anstatt zu fragen “Wie alt ist Deine Körperhülle?”. Probieren Sie es mal für sich im Geiste aus (“Ich bin ... Jahre alt.” bzw. “Meine Körperhülle ist ... Jahre alt.”). Sie werden einen deutlichen Unterschied in der Geisteshaltung spüren. Das eine Mal sehen Sie sich als Körperwesen mit endlicher Haltbarkeit, das andere mal als ewiges Seelenwesen in wechselnden Körperhüllen. Behalten Sie letztere Ausdrucksweise Ihres Alters einmal versuchshalber durch Wiederholungen im Bewusstsein. Sie werden meine Seiten mit anderen Augen lesen und Dahlkes “Krankheit als Sprache der Seele” besser verstehen! Bei mir hat sich sogar die Einstellung zu meinem Geburtstag und zur Alterung meiner Körperhülle geändert, ohne dass ich es bewusst gesteuert hätte. Die Geisteshaltung wird friedlicher, lächelnder, lockerer.

Letztendlich ist es mit Körper und Seele wie mit einer Flasche Wasser. Im Prinzip ist es doch egal, ob das Wasser in einer grünen bauchigen oder braunen schlanken Flasche steckt. Und selbst wenn ich es ausgieße oder die Flasche mutwillig zerstöre, das Wasser bleibt unverändert - es ändert nur die Form. Wir haben uns angewöhnt, nur mit den Augen des Körpers zu sehen und auf die Form zu achten anstatt auf den viel wichtigeren Inhalt. Das Äußere scheint das Wichtige zu sein, nicht das Innere. Und so denken wir uns bei wirtschaftlich erfolgreichen Menschen “Die haben es geschafft!”, dabei übersehen wir (weil es auch möglichst verheimlicht wird), welchen Preis sie dafür zahlen, dass sie vielleicht innerlich ausgebrannt, krank und unglücklich sind, ebenso ihre Familien. Arbeitgeber wollen ihren Angestellten weis machen, dass Glück in äußerem Wohlstand und in Karriere zu finden sei. Natürlich, denn dann sind die Angestellten bereit, sich selbst mehr auszubeuten als es der Arbeitgeber mit Druck je geschafft hätte! Die verzweifelte Suche nach Glück und Fülle lässt die Arbeitnehmer von heute die (von außen betrachtet) irrwitzigsten Opfer bringen. Auch ich habe lange an der falschen Stelle gesucht - das nennt man dann Workoholismus und Burn-out. Zudem wird das Glück nicht im Jetzt gesucht, sondern auf später verschoben (nach der nächsten Karrierestufe, nach Ende des Projektes, im Ruhestand). Und dann wird man feststellen, dass das Suchen und Finden von Glück nur im Heute stattfinden kann und der Übung bedarf. Wer nicht heute geübt hat, wird es morgen nicht finden!


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